Donnerstag, 2. April 2015

Ein gutes Herz von Leon de Winter

Hallo liebe Lesedetektive,

heute möchte ich euch - wieder - ein niederländisches Werk vorstellen. Diesmal allerdings ein etwas Aktuelleres, nicht nur was die Thematik betrifft ;)


Viel Spaß!



Lesedetektiv-Ein gutes Herz
Ein gutes Herz-Leon de Winter

Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 512
Erscheinung: 2013

Thalia














Handlung

Ein junges marokkanisches Fußballteam hält Amsterdam in Atem. Ein halbkrimineller jüdischer Geschäftsmann entdeckt plötzlich seine Bestimmung. Väter und Söhne finden schicksalhaft zueinander, und der ermordete Filmemacher Theo van Gogh bekommt postum den Auftrag, die Welt zu retten, da die Politik versagt. Dies alles atemberaubend miteinander verwoben im turbulenten, ironisch verspielten Roman von Leon de Winter, der gekonnt ›facts‹ und ›fiction‹ vermischt. (amazon)

Meine Meinung

Tja, na das ist doch mal eine aussagekräftige Handlungsangabe. Doch jetzt im Nachhinein betrachtet ergibt sie durchaus Sinn und ich persönlich wüsste auch keinen besseren Aufreißer, weil sonst zu viel Handlung verraten werden würde.
Klingt nach wenig Handlung? Da kann ich euch beruhigen, denn De Winter lässt Amsterdam in seinem Roman in Schutt und Asche legen.

Jedoch ist die Besonderheit - und da komme ich auch gleich zu meiner Rezension - in diesem Buch, dass der Autor jedes Kapitel aus der Sichtweise von vollkommen verschiedenen Charakteren beginnt, die scheinbar nichts verbindet. Und erst nach und nach wird dem Leser eine etwaige Verbindung zwischen diesen allen klar, die auch erst am Ende einen tatsächlichen Sinn ergibt und nun im Nachhinein bei mir persönlich immer noch für verblüffte Lacher über die Abstrusität der Auflösung sorgt.

Diese Besonderheit des Buches sorgt natürlich für eine Menge Unterhaltung, besonders wenn sich der finale Countdown bemerkbar macht, entwickelt sich das Buch zu einem echten Pageturner, den man nicht mehr so leicht aus der Hand legen kann/will.

Mehr als viel Lesespaß steckt in "Ein gutes Herz" allerdings auch nicht drin. Es behandelt kein tiefgründiges Thema wie "Rituale", sondern ist einzig und allein zur Unterhaltung gedacht, weswegen das Buch auch nicht allzu lange mit seinen Details in Erinnerung bleibt.

Jedoch wird besonders nicht-niederländischen Lesern die politische und soziale Lage in Amsterdam gezeigt und es lassen sich durchaus erschreckende Parallelen zu mehr oder weniger aktuellen Themen ziehen, die Integration verschiedener Kulturen und Religionen betreffen. Auch wenn diese längst nicht als Kritikpunkt im Vordergrund stehen, sondern mehr als Mittel zum Zweck dienen, so lässt doch auch das wieder Platz für Diskussionen :)
Dabei so ein Tipp am Rande: Alle, die vielleicht nicht allzu versiert sind, was die niederländische Politik betrifft, sollten besser während des Lesens die genannten Personen einmal nachschlagen, dann bekommt man eine viel bessere Vorstellung der Gesamtsituation, die sich langsam anbahnt. Im Übrigen ist nicht alles über die Charaktere wahr: So hat sich Leon De Winter, der in diesem Buch eine große Rolle spielt, nicht wirklich von seiner Frau getrennt :)
Klingt alles verrückt, oder? Die Verstrickung mit der Realität ist auch wirklich verblüffend...

Fazit

Insgesamt ist "Ein gutes Herz" ein Werk, das für eine Menge Spaß beim Lesen sorgt und nebenbei auch noch für die nicht-niederländischen Leser einen kulturell und politisch fortbildenden Faktor im Bonuspaket hat.
Jedoch lässt sich dieses niederländische Werk längst nicht mit einem tiefgründigen Buch wie "Rituale" vergleichen, weil es schlichtweg in einer "anderen Liga" spielt :)


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3,5 von 5 Sternen

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